Tauben – die organisierte Kriminalität der Fußgängerzonen
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire. Sämtliche kriminellen Machenschaften, geheimen Absprachen und mafiösen Strukturen der Taubenwelt sind frei erfunden und bewusst übertrieben. Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Tauben sind rein zufällig. Beschwerden nimmt Don Gurrleone persönlich entgegen. Auf eigene Gefahr.
Sie tragen Grau, arbeiten in Gruppen und hinterlassen ihre Botschaften bevorzugt auf frisch gewaschenen Autos. Unsere investigative Recherche enthüllt ein kriminelles Netzwerk, das seit Jahrzehnten unbehelligt deutsche Innenstädte kontrolliert.
Es ist ein ganz normaler Dienstagvormittag. Eine ältere Dame sitzt auf einer Parkbank und isst ein Brötchen.
Sie ahnt nicht, dass sie bereits beobachtet wird.
Drei Meter entfernt steht ein grau gekleideter Verdächtiger. Auffällig kleiner Kopf, nervöse Bewegungen, verdächtig breiter Brustkorb. Er nähert sich langsam. Zwei weitere Komplizen sichern die Umgebung.
Dann geschieht es.
Ein Krümel fällt zu Boden.
Innerhalb von Sekunden stürmen zwölf weitere Gestalten aus dem Hinterhalt. Die Dame verliert die Kontrolle über die Situation. Ein besonders dreistes Exemplar springt auf die Bank und fordert offenbar die Herausgabe weiterer Backwaren.
Die Polizei wird nicht gerufen.
Niemand greift ein.
Die Täter verschwinden anschließend auf einem nahe gelegenen Dach.
Willkommen in Deutschland. Willkommen im Herrschaftsgebiet der Taubenmafia.
Die Organisation: Cosa Gurrla
Was die meisten Menschen für harmlose Stadttauben halten, ist bei genauerer, vollkommen unwissenschaftlicher Betrachtung eine bemerkenswert gut organisierte Vereinigung.
Ihr Geschäftsmodell ist einfach: Schutzgelderpressung in Form von Backwaren, illegale Besetzung öffentlicher Plätze und großflächige Sachbeschädigung durch gezielte Luftangriffe.
An der Spitze steht ein bislang nicht identifizierter Pate.
In Ermittlerkreisen nennen wir ihn Don Gurrleone.
Ein älterer Täuber mit ausgeprägtem Halsgefieder, auffälligem Gang und einem Blick, der schon mehreren Brezeln zum Verhängnis geworden sein dürfte.
Seine Organisation ist streng hierarchisch aufgebaut.
Ganz unten stehen die sogenannten Krümelsammler. Junge, unerfahrene Tauben, die sich mit heruntergefallenen Pommes und alten Brötchen zufriedengeben müssen.
Darüber die Platzwarte. Sie kontrollieren Bahnhöfe, Marktplätze und Außengastronomie.

Und ganz oben die gefürchtete Luftwaffe.
Diese Spezialisten haben sich auf Angriffe gegen frisch gewaschene Fahrzeuge, dunkle Jacken und Menschen spezialisiert, die gerade einen wichtigen Termin haben.
Ein Zufall?
Wohl kaum.
Die Schutzgelderpressung: „Schönes Brötchen haben Sie da.“
Besonders perfide ist das Vorgehen der Organisation in der Gastronomie.
Ein ahnungsloser Tourist setzt sich mit einem belegten Brötchen auf eine Bank.
Zunächst erscheint eine einzelne Taube.
Sie schaut.
Er schaut zurück.
Die Taube macht zwei Schritte nach vorne.
Der Tourist ignoriert sie.
Ein schwerer Fehler.
Wenige Sekunden später erscheinen weitere Mitglieder der Organisation. Sie bilden einen Halbkreis. Einer der Täter beginnt demonstrativ zu gurren.
Die Botschaft ist eindeutig:
„Schönes Brötchen haben Sie da. Wäre doch schade, wenn etwas damit passieren würde.“
Der Tourist wirft einen Krümel.
Damit ist der Schutzgeldvertrag geschlossen.
Aus einem Krümel werden drei. Aus drei werden zehn. Nach wenigen Minuten ist der gesamte Platz besetzt.
Ein Mitglied der Organisation sitzt inzwischen auf seinem Schuh.
Ein anderes prüft, ob sich die Einkaufstasche öffnen lässt.
Und Don Gurrleone beobachtet das Geschehen vom Dach einer nahe gelegenen Bäckerei.
Er muss nicht selbst eingreifen.
Die wirklich großen Verbrecher machen sich schließlich nicht die Flügel schmutzig.

Die Luftangriffe: Terror aus 15 Metern Höhe
Besonders erschreckend sind die Methoden der gefiederten Luftwaffe.
Die Täter bevorzugen saubere Fahrzeuge.
Das ist inzwischen so offensichtlich, dass man sich fragen muss, ob Tauben Zugang zu den Buchungssystemen deutscher Autowaschanlagen besitzen.
Ein Mann investiert 19,90 Euro in eine Premiumwäsche mit Unterbodenreinigung, Heißwachs und Glanzversiegelung.
Er verlässt stolz die Waschanlage.
Sein Fahrzeug glänzt.
Die Sonne scheint.
Das Leben ist schön.
Drei Minuten später schlägt die erste biologische Präzisionsladung ein.
Mitten auf der Motorhaube.
Der Fahrer blickt nach oben.
Auf einer Straßenlaterne sitzt eine Taube.
Sie gurrt.
Wir können nicht beweisen, dass sie lacht.
Aber wir haben einen begründeten Verdacht.
Besonders auffällig: Die Angriffe erfolgen selten auf alte, verdreckte Fahrzeuge. Nein, die Organisation bevorzugt offenbar frisch polierte Oberflächen.
Auch dunkle Anzüge, Hochzeitskleider und frisch gewaschene Fenster gehören zu den bevorzugten Zielen.
Eine offizielle Kriegserklärung liegt nicht vor.
Aber die Botschaft ist unmissverständlich:
„Du kannst putzen, so viel du willst. Der Himmel gehört uns.“

Die Rostocker Unterwelt: Wenn Tauben auf Möwen treffen
Auch in Rostock ist die Lage angespannt.
Während die Tauben vor allem innerstädtische Plätze kontrollieren, herrschen an der Küste andere Machtverhältnisse.
Dort regiert eine deutlich aggressivere Organisation.
Die Möwen.
Insbesondere in Warnemünde gilt das Fischbrötchen als gefährdete Ware.
Wer hier mit einem frisch gekauften Matjesbrötchen die Promenade entlangläuft, befindet sich praktisch bereits in einer laufenden Geiselnahme.
Die örtlichen Möwen sind größer, lauter und erheblich weniger an diplomatischen Lösungen interessiert.
Während eine Taube noch höflich um einen Krümel bittet, hat eine Möwe längst das gesamte Brötchen beschlagnahmt.
Mit Verpackung.
Und vermutlich einem Teil deiner Finger.
Nach unseren völlig frei erfundenen Ermittlungen soll es zwischen beiden Organisationen bereits geheime Verhandlungen gegeben haben.
Die Tauben beanspruchen den Neuen Markt und die Fußgängerzonen.
Die Möwen kontrollieren Warnemünde, die Strandpromenade und sämtliche öffentlich zugänglichen Fischbrötchen.
Besonders umstritten ist die Rostocker Innenstadt.
Hier treffen beide Interessengruppen gelegentlich aufeinander.
Eine Taube will einen Pommesrest.
Eine Möwe will die gesamte Portion.
Die Verhandlungen dauern üblicherweise 0,7 Sekunden.
Danach hat die Möwe gewonnen.
Ein anonymer Informant, der aus Sicherheitsgründen nur als „Günther, 58, aus der Kröpeliner Straße“ bezeichnet werden möchte, berichtet:
„Die Tauben sind ja noch einigermaßen vernünftig. Aber diese Möwen? Die gucken dich an, als hättest du ihnen Geld geschuldet.“
Die Behörden schweigen.
Vermutlich aus Angst.

Die Geldwäsche: Eine Spur aus Brotkrumen
Eine zentrale Frage blieb bei unseren Ermittlungen bislang unbeantwortet:
Wie finanziert sich dieses gewaltige Netzwerk?
Tauben besitzen keine Bankkonten.
Sie zahlen keine Miete.
Sie kaufen keine Lebensmittel.
Und trotzdem leben sie mitten in unseren teuersten Innenstädten.
Während normale Menschen für eine kleine Wohnung inzwischen gefühlt eine Niere verkaufen müssen, bewohnen Tauben großzügige Dachgeschosse in bester Innenstadtlage.
Mietfrei.
Mit Panoramablick.
Und direkter Anbindung an die Fußgängerzone.
Ein Lebensmodell, das selbst Immobilieninvestoren neidisch machen dürfte.
Die Versorgung erfolgt über ein ausgeklügeltes System freiwilliger und unfreiwilliger Zuwendungen.
Menschen verlieren Pommes.
Kinder lassen Eis fallen.
Touristen werfen Brotkrumen.
Und irgendwo sitzt eine Taube und denkt sich vermutlich:
„Warum arbeiten, wenn die Zweibeiner das Essen direkt vor unsere Füße werfen?“
Ein bemerkenswertes Wirtschaftsmodell.
Keine Steuern. Keine Sozialabgaben. Keine Öffnungszeiten.
Und wenn das Geschäft schlecht läuft, scheißt man dem Kunden aufs Auto.
Versuch das mal als selbstständiger Einzelhändler.
Der Staat schlägt zurück. Mit Schildern.
Natürlich haben auch die Behörden das Problem erkannt.
In vielen Städten gibt es Fütterungsverbote, Abwehrmaßnahmen und Hinweisschilder.
„Bitte keine Tauben füttern.“
Ein mutiger Schritt.
Die Organisation zeigt sich davon allerdings wenig beeindruckt.
Bislang wurde keine einzige Taube dabei beobachtet, wie sie vor einem solchen Schild stehen blieb und sagte:
„Meine Güte, Kollegen. Das ist ja verboten! Wir sollten unsere kriminellen Aktivitäten unverzüglich einstellen.“
Stattdessen wird weitergegurrt.
Weitergebettelt.
Weiterbesetzt.
Manche Städte installieren sogar Metallspitzen auf Fensterbänken, damit sich die Tiere dort nicht niederlassen.
Die Tauben reagieren mit beeindruckender Gelassenheit.
Sie setzen sich einfach 20 Zentimeter daneben.
Oder darüber.
Und verrichten anschließend ihre Geschäfte auf den Spitzen.
Eine Form des zivilen Ungehorsams, die selbst erfahrene Protestbewegungen vor Neid erblassen lassen dürfte.
Der Kronzeuge packt aus
Im Rahmen unserer Recherchen gelang es uns schließlich, Kontakt zu einem mutmaßlichen Aussteiger aufzunehmen.
Der Informant erhielt den Decknamen „Krümel“.
Das Treffen fand unter strengster Geheimhaltung auf einer Parkbank statt.
Zwischenfrage.de: „Wie lange waren Sie Mitglied der Organisation?“
Krümel: „Gurr.“
Zwischenfrage.de: „Stimmt es, dass Don Gurrleone persönlich die Angriffe auf frisch gewaschene Autos anordnet?“
Krümel: „Gurr, gurr.“
Zwischenfrage.de: „Haben Sie Angst vor Vergeltungsmaßnahmen?“
Der Informant drehte seinen Kopf um etwa 170 Grad, blickte nervös in Richtung eines Mülleimers und entfernte sich anschließend fluchtartig.
Zuvor hinterließ er auf unserer Parkbank eine verdächtige Substanz.
Das Interview musste abgebrochen werden.
Unsere Redaktion wertet die Aussagen derzeit aus.
Ein Durchbruch in den Ermittlungen steht unmittelbar bevor.
Vermutlich.
Die erschütternde Wahrheit
Nach wochenlangen Recherchen, mehreren imaginären Verhören und dem Verlust eines halben Fischbrötchens kommen wir zu einem eindeutigen Ergebnis:
Die Tauben haben gewonnen.
Sie besetzen unsere Plätze, belagern unsere Bäckereien, wohnen mietfrei in bester Lage und bombardieren unsere Autos.
Wir hingegen zahlen Parkgebühren, Miete, Steuern und 19,90 Euro für eine Autowäsche, die exakt drei Minuten hält.
Und trotzdem halten wir uns für die überlegene Spezies.
Vielleicht ist genau das unser größter Irrtum.
Denn während wir Menschen über steigende Lebenshaltungskosten, Altersvorsorge und die nächste Steuererklärung nachdenken, sitzt Don Gurrleone auf einem Dach, blickt über sein Reich und wartet darauf, dass jemand eine Brezel fallen lässt.
Kein Termindruck.
Keine Stromrechnung.
Keine Steuererklärung.
Nicht einmal eine Krankenversicherungskarte.
Vielleicht sind Tauben also gar keine kriminelle Vereinigung.
Vielleicht haben sie einfach das Leben verstanden.
Und deshalb meine Zwischenfrage:
Wer ist hier eigentlich die dümmere Spezies? Die Taube, die den ganzen Tag auf kostenloses Essen wartet? Oder der Mensch, der ihr erst sein Brötchen überlässt und anschließend 20 Euro bezahlt, um ihre Hinterlassenschaften vom Auto entfernen zu lassen?
Ich werde darüber nachdenken.
Allerdings nicht draußen.
Seit Beginn dieser Recherche sitzt eine ungewöhnlich große Taube auf meinem Fensterbrett.
Sie beobachtet mich.
Seit drei Stunden.
Ich glaube, sie weiß zu viel.
Sollte dieser Artikel plötzlich verschwinden, durchsucht bitte zuerst die Dächer.
Hinweis zur Satire
Dieser Artikel ist ein rein satirischer Beitrag und dient ausschließlich der humoristischen Unterhaltung. Sämtliche dargestellten Ereignisse, Dialoge, kriminellen Organisationen und vermeintlichen Enthüllungen sind frei erfunden oder bewusst überspitzt. Der Text erhebt keinen Anspruch auf eine tatsächliche, wissenschaftliche oder journalistische Berichterstattung.
Weder Tauben noch Möwen sollen hier ernsthaft einer kriminellen Vereinigung zugeordnet werden. Insbesondere für Don Gurrleone gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
Zumindest so lange, bis das nächste frisch gewaschene Auto getroffen wird.