War nicht gerade erst Sommer?
Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Zeit irgendwann beschlossen hat, einfach ein bisschen schneller zu laufen.
Gefühlt war doch gerade erst Sommer. Lange Abende, offene Fenster, draußen sitzen, Licht bis spät am Abend. Und jetzt?
Morgens wird es wieder kühler. Wenn der Wecker klingelt und der Arbeitstag beginnt, ist es draußen teilweise noch stockdunkel. Und es dauert nicht mehr lange, dann wird es auch nach Feierabend wieder so aussehen, als hätte jemand vergessen, tagsüber das Licht einzuschalten.
Arbeiten im Dunkeln. Nach Hause im Dunkeln. Dazwischen irgendwo ein bisschen Tag.
Herzlichen Glückwunsch. Die dunkle Jahreszeit ist wieder da.
Dabei beschäftigt mich weniger der Herbst selbst. Eigentlich mag ich ihn sogar. Dieses Wetter, die Farben, gemütliche Abende, irgendwann Weihnachten.
Was mich viel mehr beschäftigt, ist die Frage:
Wo ist eigentlich dieses Jahr geblieben?
Man wartet im Winter auf den Frühling. Dann freut man sich auf den Sommer. Plötzlich ist Sommer. Man arbeitet, erledigt Dinge, hat Termine, Verpflichtungen und diesen ganzen alltäglichen Kram.
Und ehe man sich versieht, steht man morgens wieder im Dunkeln und denkt:
Moment mal. War nicht gerade erst Juni?
Vielleicht ist das eines dieser Dinge, die man mit zunehmendem Alter immer stärker bemerkt. Ein Jahr fühlt sich irgendwann nicht mehr besonders lang an. Es besteht aus Wochenenden, Urlaubstagen, Arbeitstagen und ein paar Momenten, von denen erstaunlich wenige wirklich hängen bleiben.
Und genau das finde ich manchmal erschreckend.
Nicht, dass die Zeit vergeht. Das lässt sich schließlich schlecht verhindern.
Sondern wie schnell sie vergeht, während wir damit beschäftigt sind, unseren Alltag zu erledigen.
Vielleicht sollte man deshalb gelegentlich aufhören, ständig auf das nächste Wochenende, den nächsten Urlaub oder den nächsten Sommer zu warten.
Denn offenbar ist dieser Sommer schneller wieder vorbei, als man „Wann wird endlich wieder gegrillt?“ sagen kann.
Und ehe wir uns versehen, sitzen wir wieder da, schauen morgens aus dem Fenster und stellen fest:
Es ist dunkel.
Schon wieder.
Und vielleicht ist die eigentliche Zwischenfrage deshalb gar nicht, wo dieses Jahr geblieben ist.
Sondern:
Wie viel davon haben wir eigentlich wirklich erlebt?