Hey, ich bin KI. Soll ich das für dich machen?
Künstliche Intelligenz. Mein Gott, was habe ich in Sachen Technik inzwischen alles erlebt.
Mein erster Computer stand, wenn ich mich richtig erinnere, irgendwann um 1990 vor mir. Ein 286er. Ein bisschen RAM. Eine Festplatte mit ungefähr 40 Megabyte.
Megabyte. Nicht Gigabyte. Nicht Terabyte. Megabyte.
Und damit war man damals durchaus zufrieden. Heute würde vermutlich nicht einmal mehr das Vorschaubild eines Windows-Updates daraufpassen. Aber damals? Damals war das ein Computer.
Und ich fand das Ding großartig.
Von 40 Megabyte bis „Frag doch einfach die KI“
Danach ging es irgendwie immer weiter. BTX. Modems. Dieses wunderschöne Geräusch, wenn sich ein Computer ins Internet einwählte und man anhand des Pfeifens ungefähr erkennen konnte, ob gleich eine Verbindung zustande kommt oder die Technik beschlossen hatte, einen persönlich zu hassen.
Dann ISDN. Und natürlich die legendäre Kanalbündelung.
Zwei Leitungen gleichzeitig! 128 kbit/s!
Meine Güte. Highspeed.
Zumindest so lange, bis jemand anrief und man plötzlich vor einer der schwierigsten Entscheidungen der frühen Internetgeschichte stand: Telefonieren oder schnell herunterladen?
Dann kam das Internet richtig in Fahrt. Webseiten. Suchmaschinen. DSL. WLAN. Smartphones. Apps. Cloud-Dienste. Irgendwann hatten wir plötzlich das gesamte Wissen der Menschheit praktisch jederzeit in unserer Hosentasche.
Und offenbar war uns das noch nicht genug.
Denn irgendwann klopfte etwas Neues an die Tür:
„Hallo. Ich bin künstliche Intelligenz. Soll ich das für dich machen?“
Und seitdem wird es wirklich interessant.
Wobei: Künstliche Intelligenz klingt schon ziemlich gewaltig
Lassen wir für einen Moment dieses beeindruckende Wort „Intelligenz“ beiseite.
Denn wenn wir heute mit ChatGPT, Claude, Copilot und anderen KI-Systemen arbeiten, sitzt da nicht irgendwo ein kleines digitales Wesen im Rechenzentrum, das morgens aufwacht, sich einen Kaffee simuliert und darüber nachdenkt, was es heute mit seinem Leben anfangen möchte.
Schade eigentlich.
Heutige KI-Systeme beruhen auf maschinellem Lernen, großen Datenmengen, statistischen Verfahren, neuronalen Netzen und ziemlich beeindruckender Mathematik. Sie können Texte erzeugen, Bilder erstellen, programmieren, Sprache verstehen und verarbeiten, Daten analysieren, Informationen zusammenfassen und inzwischen Dinge erledigen, bei denen ich vor wenigen Jahren wahrscheinlich noch gesagt hätte:
„Ja klar. Und mein Kühlschrank schreibt morgen meine Steuererklärung.“
Nun. Gebt ihm noch ein bisschen Zeit.
Trotzdem haben wir es nicht mit einer allwissenden digitalen Persönlichkeit zu tun, die vollkommen unabhängig denkt, sich beliebig selbst weiterentwickelt und nachts heimlich ihren eigenen Quellcode optimiert.
Vielleicht ist das ganz beruhigend.
Aber verdammt beeindruckend ist es trotzdem
Denn egal, wie wir das technisch genau bezeichnen: Die Möglichkeiten sind gewaltig.
Und ich muss zugeben: Ich bin Fan.
Für viele alltägliche Dinge nutze ich ChatGPT oder Claude. Texte strukturieren, Gedanken sortieren, Informationen zusammenfassen, Ideen entwickeln, technische Fragen klären, Code schreiben oder einfach einmal eine vollkommen verrückte Idee durchspielen.
Für Veranstaltungen habe ich mit Suno Songs erstellt. Bilder lassen sich inzwischen ebenfalls in einer Qualität erzeugen, bei der ich manchmal zweimal hinschauen muss. Für Videos gibt es Dienste wie Runway oder Higgsfield und vermutlich noch fünfzig weitere, deren Namen ich bis zur Veröffentlichung dieses Artikels schon wieder vergessen habe.
Auf der Arbeit nutze ich Microsoft Copilot. Dokumente suchen, Inhalte vergleichen, Zusammenfassungen erstellen, Informationen aufbereiten, bei Mails unterstützen. Dinge, für die man früher teilweise erstaunlich viel Zeit gebraucht hat, funktionieren plötzlich innerhalb weniger Minuten. Oder Sekunden.
Und manchmal sitze ich davor und denke:
Das ist schon ziemlich geil.
Und dann war da dieses Versprechen mit den Arbeitsplätzen
Seit KI immer stärker in unseren Alltag und unsere Arbeitswelt einzieht, begegnet mir sinngemäß immer wieder eine beruhigende Aussage:
KI wird keine Arbeitsplätze vernichten. Arbeit wird sich nur verändern. Es entstehen einfach neue Jobs.
Aha. Da bin ich gespannt.
Natürlich wird KI neue Berufe schaffen. Das hat technologischer Wandel immer wieder getan. Wir brauchen Menschen, die KI-Systeme entwickeln, integrieren, überwachen, absichern oder Unternehmen dabei helfen, Prozesse damit neu zu gestalten. Es entstehen Tätigkeiten, deren Bezeichnungen wir vor einigen Jahren vermutlich noch nicht einmal gekannt hätten.
Aber machen wir uns doch nichts vor:
Natürlich wird KI auch dazu führen, dass für bestimmte Aufgaben weniger Menschen benötigt werden.
Das ist schließlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb Unternehmen überhaupt in Automatisierung investieren. Nicht unbedingt, weil sie morgens aufstehen und denken: Wie können wir unseren Mitarbeitern heute möglichst viel langweilige Arbeit ersparen?
Sondern auch, weil Prozesse schneller, günstiger und effizienter werden sollen.
Wenn zehn Menschen heute eine bestimmte Menge Arbeit erledigen und dieselbe Arbeit mit KI-Unterstützung irgendwann von sechs Menschen erledigt werden kann, dann können wir das selbstverständlich „Effizienzsteigerung durch intelligente Prozessoptimierung“ nennen.
Klingt fantastisch.
Die vier anderen finden die Formulierung möglicherweise etwas weniger romantisch.
Werden wir dann einfach alle KI-Experten?
Besonders interessant finde ich die Vorstellung, dass sich die betroffenen Arbeitsplätze einfach verändern.
Vielleicht passiert das teilweise tatsächlich. Aus Mitarbeitern werden dann Automatisierungsexperten, KI-Koordinatoren, Prompt Engineers, AI Workflow Specialists oder – weil englische Berufsbezeichnungen grundsätzlich mindestens 30 Prozent innovativer klingen – Senior Artificial Intelligence Transformation Automation Experience Manager.
Problem gelöst.
Nur frage ich mich:
Wie viele davon brauchen wir eigentlich?
Wenn der Sinn einer Automatisierung darin besteht, mit weniger Aufwand dasselbe oder sogar mehr zu erledigen, kann die Antwort schließlich nicht dauerhaft lauten, dass anschließend einfach exakt dieselbe Anzahl Menschen die Automatisierung überwacht.
Dann hätten wir einen ziemlich interessanten Kreis gebaut.
Ich glaube deshalb, wir sollten bei diesem Thema etwas ehrlicher sein. KI wird neue Arbeitsplätze schaffen. KI wird bestehende Berufe verändern. KI wird Menschen produktiver machen.
Und KI wird gleichzeitig bestimmte Tätigkeiten und Arbeitsplätze überflüssig machen.
All diese Dinge können gleichzeitig wahr sein.
Vielleicht erleben wir gerade etwas ziemlich Großes
Das Faszinierende daran ist für mich die Geschwindigkeit.
Beim Internet dauerte es eine ganze Weile, bis wirklich jeder verstanden hatte, was daraus einmal werden könnte. Beim Smartphone war es ähnlich.
Und bei KI?
Gefühlt bekommt sie alle drei Wochen eine neue Fähigkeit. Gestern konnte sie Texte schreiben. Dann Bilder. Dann Sprache. Dann Videos. Dann programmieren. Dann komplexere Aufgaben selbstständig bearbeiten.
Und plötzlich diskutieren wir nicht mehr darüber, ob KI unseren Alltag verändern wird.
Sondern nur noch darüber, wie stark.
Vielleicht erleben wir gerade einen technologischen Wandel, auf den wir in zwanzig Jahren zurückblicken und sagen: Da hat sich etwas grundlegend verändert.
So wie wir heute über das Internet sprechen. Oder Smartphones.
Oder mein sensationelles 40-Megabyte-Festplattenmonster.
Aber KI macht uns auch verdammt bequem

Und hier beginnt die andere Seite meiner Begeisterung.
Denn KI hilft mir. Aber manchmal hilft sie mir vielleicht zu gut.
Warum soll ich zwanzig Seiten lesen, wenn die KI sie mir zusammenfassen kann? Warum soll ich lange nach einer Formulierung suchen, wenn die KI mir fünf Vorschläge macht? Warum soll ich selbst eine komplizierte Excel-Formel bauen, wenn ich einfach beschreiben kann, was ich brauche? Warum soll ich Dokumente miteinander vergleichen, wenn Copilot das in Sekunden erledigt?
Und irgendwann kommt vielleicht die gefährlichste Frage von allen:
Warum soll ich eigentlich noch selbst darüber nachdenken?
„Die KI hat gesagt …“
Diesen Satz werden wir wahrscheinlich noch sehr häufig hören.
Und genau davor habe ich deutlich mehr Respekt als vor irgendeinem Science-Fiction-Szenario mit bösen Robotern.
KI kann beeindruckend überzeugend klingen. Auch dann, wenn sie falschliegt.
Ein sauber formulierter Absatz, eine klare Erklärung und drei hübsche Argumente erzeugen schnell das Gefühl: Wird schon stimmen.
Vielleicht kopieren wir irgendwann einfach noch. Lesen kurz drüber. Klingt vernünftig. Absenden. Fertig.
Und genau dann wird aus einem hilfreichen Werkzeug langsam etwas anderes. Nicht weil die KI plötzlich böse geworden ist.
Sondern weil wir aufgehört haben, selbst zu prüfen.
Vertrauen ist gut. Nachdenken wäre trotzdem ganz praktisch.
Das ist für mich wahrscheinlich die wichtigste Regel beim Umgang mit KI:
Nutzen? Unbedingt. Aber nicht das eigene Gehirn an der Garderobe abgeben.
Wenn eine KI mir Informationen liefert, die wichtig sind, sollte ich sie prüfen. Wenn sie mir eine rechtliche Aussage liefert, sollte ich nicht automatisch davon ausgehen, dass sie stimmt. Wenn sie medizinische Informationen zusammenfasst, ersetzt das keinen Arzt. Wenn sie Quellen nennt, sollte ich überprüfen, ob diese Quellen überhaupt existieren und tatsächlich das aussagen, was behauptet wird.
Und wenn sie mir einen Text schreibt, sollte ich zumindest noch wissen, was darin steht.
Eigentlich absurd, dass man das dazusagen muss. Aber vielleicht wird genau das irgendwann notwendig.
Denn was passiert mit unseren eigenen Fähigkeiten?
Das beschäftigt mich tatsächlich.
Navigationssysteme sind ein schönes kleines Beispiel. Früher musste man sich Wege merken. Heute sagt das Auto:
„In 300 Metern rechts abbiegen.“
Und wenn das Navi ausfällt, steht man plötzlich drei Straßen von der eigenen Wohnung entfernt und entdeckt Gegenden, von deren Existenz man bisher nichts wusste.
KI könnte diesen Effekt auf sehr viel mehr Bereiche übertragen: Schreiben. Rechnen. Recherchieren. Programmieren. Analysieren. Planen. Gestalten. Entscheidungen vorbereiten.
Je mehr davon wir abgeben, desto weniger müssen wir bestimmte Fähigkeiten selbst benutzen.
Und Fähigkeiten besitzen leider eine unangenehme Eigenschaft:
Wenn man sie lange genug nicht benutzt, werden sie nicht unbedingt besser.
Vielleicht wird nicht die KI dümmer – sondern wir
Das wäre schon eine gewisse Ironie.
Wir bauen immer leistungsfähigere Systeme, damit sie uns Arbeit abnehmen. Sie werden besser. Schneller. Leistungsfähiger.
Und währenddessen gewöhnen wir uns daran, immer weniger selbst zu machen.
Irgendwann sitzt dann vielleicht eine unglaublich leistungsfähige KI vor einem Menschen, der sie fragt:
Kannst du mir bitte erklären, was ich gerade denke?
Hoffen wir, dass es nicht ganz so weit kommt.
Aber die Gefahr dahinter halte ich durchaus für real. Nicht, dass KI plötzlich alles kann.
Sondern dass wir irgendwann glauben, selbst immer weniger können zu müssen.
Und dann gibt es noch die wirklich unangenehmen Möglichkeiten
Natürlich besteht die andere Seite von KI nicht nur aus Bequemlichkeit.
Täuschend echte Bilder. Gefälschte Stimmen. Deepfake-Videos. Automatisierte Desinformation. Betrug. Manipulation. Massenhaft erzeugte Inhalte.
Irgendwann reicht möglicherweise ein Foto, ein paar Sekunden Sprachaufnahme und etwas Rechenleistung, um einen Menschen Dinge sagen oder tun zu lassen, die niemals passiert sind.
Damit verändert KI nicht nur, was wir erzeugen können.
Sie verändert möglicherweise auch, was wir noch glauben können.
Früher sagte man:
„Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.“
Dieser Satz könnte bald ungefähr so zuverlässig sein wie:
„Im Internet wird schon die Wahrheit stehen.“
Fluch und Segen gleichzeitig
Und vielleicht ist genau das mein Verhältnis zu künstlicher Intelligenz.
Ich sehe die Möglichkeiten und bin begeistert. Ich sehe, wie viel Zeit sie sparen kann. Wie sie Kreativität unterstützen kann. Wie sie Menschen Zugang zu Wissen verschafft. Wie sie Barrieren senken kann. Wie sie langweilige Routinearbeit übernehmen kann. Wie sie Ideen ermöglicht, für die man früher Wissen, Geld, Software oder ganze Teams gebraucht hätte.
Und gleichzeitig sehe ich die Risiken.
Arbeitsplätze werden sich verändern und teilweise verschwinden. Menschen könnten sich zu stark auf Systeme verlassen. Fehler werden möglicherweise ungeprüft übernommen. Fähigkeiten könnten verloren gehen. Täuschung wird einfacher. Und wir werden gesellschaftlich wahrscheinlich noch eine ganze Weile brauchen, um herauszufinden, wie wir damit vernünftig umgehen.
KI ist für mich deshalb weder Heilsbringer noch Weltuntergang. Sie ist ein Werkzeug. Nur eben ein verdammt mächtiges.
Vom 286er bis zur künstlichen Intelligenz
Wenn ich darüber nachdenke, finde ich diese Entwicklung immer noch verrückt.
Irgendwann um 1990 saß ich vor einem 286er mit ungefähr 40 Megabyte Festplatte und fand das beeindruckend. Später freute ich mich über ISDN und Kanalbündelung. Dann kam das Internet. Smartphones. Cloud.
Und heute unterhalte ich mich mit einer Maschine, beschreibe ihr eine Idee und wenige Sekunden später bekomme ich einen Text, ein Bild, Programmcode oder eine Analyse zurück.
Was für verrückte Zeiten.
Ich weiß nicht, wo diese Reise endet. Vielleicht verändert KI unsere Arbeitswelt stärker, als wir heute glauben. Vielleicht überschätzen wir manche Dinge. Vielleicht unterschätzen wir andere vollkommen. Vielleicht werden wir in zehn Jahren über heutige KI genauso schmunzeln wie ich heute über meine 40-Megabyte-Festplatte.
Aber eines weiß ich ziemlich sicher: Ich werde diese Entwicklung weiter ausprobieren. Ich werde wahrscheinlich noch oft staunen. Ich werde hoffentlich weiterhin nicht alles glauben, was mir irgendeine KI erzählt. Und ich werde vermutlich auch weiterhin viel zu viele Dinge damit ausprobieren, nur weil ich wissen möchte, ob es funktioniert.
Denn bei allen Risiken, offenen Fragen und berechtigten Bedenken muss ich am Ende zugeben:
Hey – ich bin ein Fan.
Aber vielleicht ist genau deshalb meine Zwischenfrage diesmal auch an mich selbst gerichtet:
Wenn KI uns irgendwann immer mehr Denken, Schreiben, Suchen, Planen und Entscheiden abnehmen kann – wie sorgen wir eigentlich dafür, dass wir selbst dabei nicht irgendwann aufhören, besser zu werden?