Wir sind alle verbunden. Nur irgendwie nicht mehr miteinander.
Früher klingelte man an der Tür. Heute schaut man sich gegenseitig beim Leben zu. Und nennt das Kontakt.
Es gab einmal eine Zeit, da haben Menschen tatsächlich das Haus verlassen, um Freunde zu besuchen.
Ja, wirklich. Das ist keine Erfindung. Es gibt sogar noch Zeitzeugen.
Man zog sich Schuhe an, verließ die Wohnung und machte sich auf den Weg zu anderen Menschen. Einfach so. Ohne vorherige Terminvereinbarung, ohne Standortfreigabe und ohne eine WhatsApp-Nachricht mit der Frage: „Passt es dir gerade, wenn ich in ungefähr 17 Minuten bei dir klingele?“
Man ging hin und klingelte.
An einer echten Tür. Mit einem echten Klingelknopf.
Und jetzt kommt das eigentlich Unglaubliche: Manchmal wurde sogar geöffnet.
Menschen trafen sich, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Man ging spazieren, fuhr irgendwohin, saß stundenlang zusammen oder traf sich auf einen Kaffee in irgendeinem Café am Straßenrand.
Dort redete man über Gott und die Welt. Über die Arbeit, die Familie, die Nachbarn, das Wetter und darüber, warum eigentlich schon wieder alles teurer geworden war.
Manchmal wurde gelacht. Manchmal gestritten. Und selbstverständlich wurde gelegentlich auch über Menschen gesprochen, die gerade nicht anwesend waren.
Lästern nannte man das.
Heute würde man vermutlich einen Podcast daraus machen.
Damals reichten dafür zwei Tassen Kaffee und ein freier Nachmittag.
Und irgendwie hatte man anschließend das Gefühl, wirklich etwas miteinander erlebt zu haben.
Heute haben wir soziale Netzwerke, Messenger, Videotelefonie, Gruppenchats und Smartphones, die leistungsfähiger sind als die Computer, mit denen früher Raumfahrt betrieben wurde.
Wir können praktisch jeden Menschen innerhalb weniger Sekunden erreichen.
Und schaffen es trotzdem manchmal monatelang nicht, uns auf einen Kaffee zu treffen.
Herzlichen Glückwunsch. Wir haben die Kommunikation perfektioniert und dabei offenbar den persönlichen Kontakt zur optionalen Zusatzfunktion erklärt.
500 Freunde. Aber keiner hat Zeit für einen Kaffee.
Früher war Freundschaft eine relativ überschaubare Angelegenheit.
Man kannte Menschen, traf sich mit ihnen, telefonierte oder unternahm gemeinsam etwas.
Heute haben wir Freunde auf Facebook, Kontakte auf Instagram, Follower auf TikTok, Gruppen bei WhatsApp und vermutlich irgendwo noch Menschen auf LinkedIn, mit denen wir uns vor acht Jahren auf einer beruflichen Veranstaltung einmal fünf Minuten unterhalten haben.
Das ist beeindruckend.
Ein Mensch mit 500 Facebook-Freunden hätte früher vermutlich einen ganzen Gemeindesaal gebraucht, um seinen Geburtstag zu feiern.
Heute braucht er dafür lediglich einen Internetanschluss.

Besonders schön sind Geburtstage.
Früher klingelte das Telefon. Jemand gratulierte persönlich. Vielleicht kam sogar Besuch vorbei.
Heute meldet Facebook zuverlässig, dass irgendein Mensch Geburtstag hat, mit dem wir zuletzt 2016 gesprochen haben.
Also schreiben wir: „Alles Gute! 🎉🥳🍾“
Der andere antwortet: „Danke! ❤️“
Und schon haben wir unsere zwischenmenschliche Beziehung für ein weiteres Jahr erfolgreich gepflegt.
Zeitaufwand: ungefähr sieben Sekunden.
Effizienzsteigerung: enorm.
Persönliche Nähe: ausbaufähig.
Natürlich ist es schön, wenn Menschen an unseren Geburtstag denken. Auch ein kurzer digitaler Gruß kann ehrlich gemeint sein.
Aber manchmal frage ich mich, ob wir inzwischen nicht vor allem deshalb aneinander denken, weil uns eine App rechtzeitig daran erinnert.
Ohne Facebook würden manche Freundschaften vermutlich nicht einmal mehr wissen, wann sie Geburtstag haben.
Wir müssen unbedingt mal wieder etwas zusammen machen!
Es gibt einen Satz, der vermutlich häufiger ausgesprochen wird als „Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung“.
„Wir müssen unbedingt mal wieder etwas zusammen machen!“
Ein wunderbarer Satz.
Er klingt herzlich, verbindlich und voller Vorfreude.
Und ist gleichzeitig eine der zuverlässigsten Methoden, ein tatsächliches Treffen auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
„Ja, unbedingt!“
„Wir müssen mal schauen, wann es passt.“
„Ich melde mich!“
„Machen wir auf jeden Fall!“
Drei Monate später gefällt man sich gegenseitig ein Urlaubsfoto.
Sechs Monate später gratuliert man zum Geburtstag.
Ein Jahr später schreibt jemand: „Mensch, wir haben uns ja ewig nicht gesehen!“
Worauf selbstverständlich die einzig angemessene Antwort folgt:
„Ja, wir müssen unbedingt mal wieder etwas zusammen machen!“
Ein perfekter Kreislauf.
Die Freundschaft läuft inzwischen vollständig automatisiert.
Man müsste eigentlich nur noch eine künstliche Intelligenz anschließen, die alle sechs Monate schreibt: „Wir sollten uns wirklich mal wieder treffen.“
Dann hätten wir auch dieses Problem endlich digitalisiert.
Früher war unangemeldeter Besuch keine Sicherheitslücke
Stellen wir uns einmal vor, heute klingelt plötzlich jemand an unserer Wohnungstür.
Ein Freund.
Einfach so.
Ohne Vorwarnung.
Die erste Reaktion?
Vermutlich schaut man vorsichtig durch den Türspion.
Die zweite?
Man überprüft das Smartphone.
Hat er geschrieben? Gibt es eine Nachricht? Einen verpassten Anruf? Wurde dieser Besuch irgendwo angekündigt?
Nichts.
Einfach ein Mensch vor der Tür.
Unfassbar.
Vielleicht denken wir sogar: „Warum ruft der denn nicht vorher an?“

Früher war spontaner Besuch nicht ungewöhnlich. Natürlich war auch damals nicht jeder jederzeit willkommen, und nicht jede überraschende Begegnung war angenehm.
Aber heute wirkt ein unangemeldeter Besuch manchmal schon wie ein Verstoß gegen die persönliche Datenschutzgrundverordnung.
„Entschuldigung, aber für diesen Besuch liegt uns leider keine vorherige Einwilligung vor.“
Dabei sind es manchmal gerade diese spontanen Begegnungen, an die man sich später erinnert.
Nicht an die Nachricht mit dem Daumen-hoch-Emoji.
Sondern an den Nachmittag, an dem jemand plötzlich vor der Tür stand und aus einem kurzen Kaffee fünf Stunden wurden.
Wir wissen, was andere essen. Aber nicht, wie es ihnen geht.
Soziale Medien haben uns eine bemerkenswerte Fähigkeit geschenkt.
Wir können am Leben anderer Menschen teilnehmen, ohne tatsächlich daran teilzunehmen.
Wir wissen, wer gerade im Urlaub ist.
Wer ein neues Auto gekauft hat.
Wer zum dritten Mal diese Woche im Fitnessstudio war.
Und wer sich heute Morgen ein besonders fotogenes Frühstück zusammengestellt hat.
Manchmal wissen wir sogar, wie der Cappuccino eines Menschen aussieht, mit dem wir seit fünf Jahren nicht mehr persönlich gesprochen haben.
Das muss man sich einmal vorstellen.
Wir kennen die Milchschaumqualität eines alten Bekannten besser als seine aktuelle Lebenssituation.
Wir wissen, dass er letzten Samstag italienisch essen war.
Aber nicht, ob er gerade glücklich ist.
Wir sehen das neue Profilbild einer ehemaligen Kollegin.
Aber wissen nicht, ob sie ihren Job noch hat.
Wir lesen „Alles bestens! 😊“ unter einem Urlaubsfoto und nehmen an, dass tatsächlich alles bestens ist.
Vielleicht stimmt das.
Vielleicht auch nicht.
Denn soziale Medien zeigen uns häufig das, was Menschen zeigen möchten.
Das ist völlig legitim. Niemand ist verpflichtet, seine Sorgen öffentlich auszubreiten.
Problematisch wird es erst, wenn wir glauben, diese Ausschnitte wären bereits das ganze Leben.
Wir verfolgen gegenseitig unsere Geschichten, aber hören einander immer seltener zu.
Ein Like ist noch keine Umarmung
Ein Herzchen ist eine schöne Sache.
Ein Daumen nach oben auch.
Und wenn jemand gleich drei Flammen-Emojis unter ein Foto setzt, muss die Begeisterung ja geradezu grenzenlos sein.
Aber was bedeutet das eigentlich?
Manchmal viel.
Manchmal wenig.
Und manchmal schlicht, dass jemand beim Scrollen versehentlich mit dem Finger auf den Bildschirm gekommen ist.
Trotzdem haben wir begonnen, digitale Reaktionen mit Aufmerksamkeit gleichzusetzen.
Jemand liked unser Foto.
Schön.
Jemand schaut sich unseren WhatsApp-Status an.
Auch schön.
Jemand reagiert mit einem lachenden Emoji auf unsere Geschichte.
Offenbar sind wir weiterhin Teil seines Lebens.
Zumindest für ungefähr 1,8 Sekunden.

Natürlich können kleine digitale Gesten echte Zuneigung ausdrücken. Gerade wenn Menschen weit voneinander entfernt leben, sind sie wertvoll.
Aber sie ersetzen nicht automatisch ein Gespräch, einen gemeinsamen Abend oder jemanden, der einfach einmal fragt:
„Sag mal, wie geht es dir eigentlich wirklich?“
Und dann auch die Zeit hat, sich die Antwort anzuhören.
Selbst wenn sie länger dauert als eine Sprachnachricht von 30 Sekunden.
Wir telefonieren nicht mehr. Wir kündigen Telefonate an.
Früher nahm man das Telefon in die Hand und rief jemanden an.
Eine ausgesprochen primitive Form der Kommunikation.
Man wusste vorher nicht, ob der andere gerade Zeit hatte. Also klingelte es, und entweder ging jemand ran oder eben nicht.
Heute schreibt man vorsichtshalber:
„Kann ich dich kurz anrufen?“
Eine berechtigte Frage. Schließlich möchte man niemanden stören.
Aber manchmal wirkt es, als wäre ein unangekündigter Anruf inzwischen ein gesellschaftlicher Übergriff.
Das Smartphone klingelt.
Man starrt erschrocken auf den Bildschirm.
Ein Mensch möchte sprechen.
Jetzt.
Live.
Ohne Bearbeitungszeit.
Ohne Möglichkeit, die Antwort vorher dreimal zu überarbeiten.
Eine Zumutung.
Also lassen wir es klingeln und schreiben fünf Minuten später:
„Hey, was gibt's?“
Der andere antwortet:
„Wollte nur mal hören, wie es dir geht.“
Darauf schreiben wir:
„Alles gut 😊 Und dir?“
„Auch alles gut.“
Gespräch erfolgreich vermieden.
Zwei Menschen wollten miteinander reden und haben stattdessen bewiesen, dass beide noch tippen können.
Nähe ist manchmal unbequem. Vielleicht liegt genau darin das Problem.
Jetzt wird es interessant.
Denn ich glaube nicht, dass allein Facebook, Instagram oder WhatsApp dafür verantwortlich sind, dass persönliche Begegnungen manchmal seltener werden.
Diese Plattformen machen vieles einfacher.
Sie helfen uns, mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die weit entfernt wohnen. Sie ermöglichen neue Freundschaften und können gerade für Menschen, die sich im direkten Kontakt schwertun, wichtige soziale Räume schaffen.
Das Problem liegt vielleicht eher darin, wie bequem wir uns eingerichtet haben.
Eine Nachricht kann man später beantworten.
Einen Status kann man anschauen, ohne reagieren zu müssen.
Ein Gespräch kann man mit einem Emoji beenden.
Und wenn jemand etwas erzählt, das uns gerade nicht interessiert, scrollen wir einfach weiter.
Bei einem persönlichen Treffen funktioniert das etwas schlechter.
Stellen wir uns vor, ein Freund erzählt gerade von seinen Problemen, und wir wischen ihm mitten im Satz mit dem Finger über die Stirn.
„Entschuldigung, dein Beitrag interessiert mich gerade nicht. Nächster bitte.“
Das wäre vermutlich das letzte gemeinsame Kaffeetrinken.
Persönliche Begegnungen verlangen etwas, das sich nicht beliebig optimieren lässt:
Zeit.
Aufmerksamkeit.
Geduld.
Und manchmal die Bereitschaft, sich mit Dingen zu beschäftigen, die gerade nicht in den eigenen Tagesplan passen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir sie gelegentlich vermeiden.
Nicht, weil uns andere Menschen egal geworden sind.
Sondern weil echte Nähe eben mehr verlangt als einen Klick.
Früher hat man sich gestritten. Heute verlässt man die Gruppe.
Natürlich war auch früher nicht jede Begegnung harmonisch.
Man diskutierte, widersprach sich und stritt gelegentlich.
Manchmal ging man nach Hause und dachte: „Was für ein Idiot.“
Beim nächsten Treffen saß man trotzdem wieder zusammen.
Heute reicht unter Umständen schon eine unglückliche Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe, und die digitale Friedensordnung gerät ins Wanken.
Jemand schreibt etwas.
Ein anderer versteht es falsch.
Ein Dritter schickt einen ironischen Kommentar.
Ein Vierter fühlt sich persönlich angesprochen.
Und plötzlich erscheint die Meldung:
„Thomas hat die Gruppe verlassen.“
Ein dramatischer Moment.
Früher hätte Thomas vermutlich einfach gesagt: „Jetzt reicht's mir“, seine Jacke genommen und wäre gegangen.
Heute erledigt das eine Systemnachricht für ihn.
Immerhin mit dem Vorteil, dass alle gleichzeitig informiert werden.
Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass Menschen online streiten. Das haben sie auch früher getan.
Es ist die fehlende Nähe, die Missverständnisse manchmal verstärkt.
Ein Gesichtsausdruck, ein Lächeln oder ein scherzhafter Tonfall können im persönlichen Gespräch vieles auffangen.
In einer Textnachricht bleibt davon manchmal nur ein Satz übrig.
Und ein Satz ohne Tonfall kann plötzlich ganz anders klingen.
Dann diskutieren wir nicht mehr miteinander, sondern über das, was wir glauben, dass der andere gemeint haben könnte.
Eine erstaunlich komplizierte Form der Kommunikation für eine Technik, die eigentlich alles vereinfachen sollte.
Die Einsamkeit hat inzwischen WLAN
Bei all dem Humor gibt es eine Seite, über die wir ebenfalls sprechen sollten.
Man kann viele Kontakte haben und sich trotzdem einsam fühlen.
Man kann in zehn Gruppen Mitglied sein und niemanden haben, mit dem man über persönliche Sorgen sprechen möchte.
Man kann jeden Tag Nachrichten bekommen und trotzdem das Gefühl haben, dass sich niemand wirklich für einen interessiert.
Das ist kein Widerspruch.
Denn die Anzahl unserer Kontakte sagt wenig darüber aus, wie eng diese Beziehungen tatsächlich sind.
Und Einsamkeit ist keineswegs nur ein Problem älterer Menschen. Auch junge Menschen können sich trotz ständiger digitaler Vernetzung isoliert fühlen.
Natürlich ist nicht jeder Mensch einsam, der viel Zeit online verbringt. Und nicht jede digitale Beziehung ist oberflächlich.
Manche der engsten Freundschaften entstehen heute über das Internet.
Entscheidend ist nicht, ob der Kontakt digital oder persönlich stattfindet.
Entscheidend ist, ob wir füreinander wirklich erreichbar sind.
Nicht nur technisch.
Sondern menschlich.
Ob jemand zuhört, wenn es schwierig wird.
Ob wir merken, wenn ein Mensch sich zurückzieht.
Und ob wir dann tatsächlich nachfragen.
Nicht öffentlich unter seinem letzten Profilbild.
Sondern vielleicht einfach einmal persönlich.
Vielleicht warten wir alle auf denselben Menschen
Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich mich selbst nicht ausnehmen möchte.
Wie oft haben wir uns schon gedacht:
„Von dem habe ich aber auch lange nichts mehr gehört.“
Oder:
„Die könnte sich ruhig mal wieder melden.“
Vielleicht sitzen auf der anderen Seite gerade Menschen, die exakt dasselbe denken.
Beide warten.
Beide vermissen den Kontakt.
Beide haben ein Smartphone in Reichweite.
Und keiner macht den ersten Schritt.
Früher hätte vielleicht irgendwann einer vor der Tür gestanden.
Heute warten zwei Menschen darauf, dass der jeweils andere die erste Nachricht schreibt.
Eine Art digitaler Wettbewerb im gegenseitigen Vermissen.
Gewonnen hat, wer sich am längsten nicht meldet.
Herzlichen Glückwunsch.
Vielleicht sollten wir uns gelegentlich daran erinnern, dass Freundschaft keine Einbahnstraße ist.
Und dass ein persönlicher Kontakt nicht automatisch entsteht, nur weil zwei Menschen gegenseitig ihre Telefonnummer gespeichert haben.
Manchmal muss eben einer anfangen.
Wir brauchen nicht weniger Technik. Vielleicht nur wieder mehr Menschen.
Ich möchte die sozialen Medien nicht verteufeln.
Ich nutze selbst digitale Möglichkeiten und finde vieles daran praktisch, spannend und hilfreich.
Es wäre auch reichlich absurd, einen Artikel über die Nachteile digitaler Kommunikation zu schreiben und ihn anschließend im Internet zu veröffentlichen.
Wobei: Genau das tue ich gerade.
Immerhin bin ich konsequent inkonsequent.
Es geht mir auch nicht darum, dass wir ab morgen unsere Smartphones wegwerfen und wieder Brieftauben züchten.
Die würden sich vermutlich spätestens bei der ersten WhatsApp-Gruppe gewerkschaftlich organisieren.
Aber vielleicht sollten wir wieder öfter daran denken, dass Kommunikation mehr sein kann als der Austausch von Nachrichten.
Dass Freundschaft nicht darin besteht, möglichst viele Menschen in einer Kontaktliste zu sammeln.
Dass ein gemeinsamer Kaffee nicht erst dann sinnvoll ist, wenn man einen besonderen Anlass dafür hat.

Und dass wir nicht für jede Begegnung einen Termin mit drei Wochen Vorlauf benötigen.
Vielleicht reicht es manchmal, einfach jemanden anzurufen.
Oder zu fragen, ob er Lust hat, etwas zu unternehmen.
Vielleicht sogar ganz spontan.
Ich weiß, das klingt verrückt.
Aber Menschen haben solche Dinge früher tatsächlich gemacht.
Und angeblich hat es sogar funktioniert.
Meine Zwischenfrage: Wann haben wir eigentlich aufgehört, uns wirklich zu besuchen?
Wir haben heute mehr Möglichkeiten zur Kommunikation als jemals zuvor.
Wir können Bilder teilen, Nachrichten verschicken, miteinander telefonieren und Menschen auf der ganzen Welt erreichen.
Das ist ein großartiger Fortschritt.
Aber vielleicht sollten wir uns gelegentlich fragen, was wir mit all diesen Möglichkeiten eigentlich anfangen.
Wir schauen uns gegenseitig beim Leben zu.
Wir reagieren auf Fotos.
Wir gratulieren digital.
Wir versprechen uns, unbedingt einmal wieder etwas gemeinsam zu unternehmen.
Und während wir all das tun, vergeht die Zeit.
Vielleicht ist es also gar nicht die Technik, die uns voneinander entfernt.
Vielleicht haben wir uns nur daran gewöhnt, dass es ausreicht, irgendwie in Kontakt zu bleiben.
Dabei könnte man sich auch einfach treffen.
Ohne besonderen Anlass.
Ohne perfekte Planung.
Ohne vorher drei Kalender abzugleichen.
Auf einen Kaffee. Auf einen Spaziergang. Oder einfach nur, um gemeinsam über Gott und die Welt zu reden.
Und ja, vielleicht auch ein bisschen über die Nachbarn zu lästern.
Natürlich nur ganz sachlich.
Meine Zwischenfrage lautet deshalb: Wenn wir uns alle mehr echte Nähe wünschen, warum warten wir dann eigentlich darauf, dass jemand anderes zuerst klingelt?
Vielleicht sollten wir das Smartphone einfach einmal in die Tasche stecken und selbst vor einer Tür stehen.
Vorausgesetzt natürlich, wir finden zwischen all den digitalen Kontakten noch jemanden, dessen Adresse wir kennen.